Elternarbeit - kommunizieren und zusammenarbeiten (GuSp)

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Elternarbeit ist ein essenzieller Bestandteil unserer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Ein gutes Verhältnis zwischen dir als Leiter*in und den Eltern schafft die Grundvoraussetzung, dass die Kinder zu den Heimstunden und Lagern kommen dürfen und die gute Zusammenarbeit mit den Eltern an sich.


Die Methode

Die Methode der Elternarbeit umfasst den gezielten Aufbau einer konstruktiven Beziehung zu den Eltern, da Guides und Späher noch stark von ihrem familiären Umfeld beeinflusst sind. Eltern übergeben ihre Kinder in deine Verantwortung und gewähren dir damit einen großen Vertrauensvorschuss, den es zu pflegen gilt.

Elternarbeit bedeutet in der Praxis mehr als nur Informationsweitergabe. Sie ist ein vielschichtiger Teil unserer Arbeit. Dazu gehört, dass du als Leiter*in als Vermittler*in fungierst und Eltern dabei unterstützt, sich untereinander zu vernetzen – etwa um Fahrgemeinschaften zu bilden oder sich gegenseitig zu helfen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Methode ist die Einbindung der Eltern als Ressource: Eine gute Beziehung kann das Interesse für die Gruppe wecken und Eltern für Mitarbeit gewinnen – sei es im Elternrat oder bei konkreten Aufgaben wie dem Materialtransport. Ziel ist eine Gesprächsbasis, die hilft, Missverständnisse zu vermeiden oder rasch aufzuklären.

Beispiele für die Praxis[Bearbeiten]

Regelmäßiger Kontakt[Bearbeiten]

Der regelmäßige Kontakt zu den Eltern orientiert sich normalerweise am Jahresprogramm. Eine gute Mischung aus Treffen und Ausschreibungen sorgen für einen regelmäßigen Informationsaustausch. Hier einige Beispiele:

  • Willkommensbrief am Beginn des Pfadijahres (Terminüberblick)
  • Elternabend (Kennenlernen)
  • gemeinsame Eltern/GuSp-Weihnachtswanderung
  • Schaulager für die Gruppe/Eltern/Öffentlichkeit
  • Regelmäßige Infoblätter (z.B. monatlich) oder regelmäßig aktualisierte (!) Internetseite
  • Sommerlager- und andere Ausschreibungen
  • Sommerlager-Info-Elternabend im Frühjahr
  • Sommerlager-Fotobuch oder eine Fotoshow

Der informelle Kontakt ergänzt diese offiziellen Kanäle, wie etwa die kurze Unterhaltung mit den wartenden Eltern am Ende der Heimstunde, oder ein Telefonanruf, wenn das Kind einmal für zwei Wochen nicht in der Heimstunde war.

Themen[Bearbeiten]

Eltern sollten im Laufe des Jahres über verschiedene Dinge informiert werden:

  • Kennenlernen der Leiter*innen, Kontaktinformationen
  • Termin- und Programmüberblick
  • Rechtzeitige Ausschreibungen (für Wochenendlager, Wanderungen, Sommerlager...)
  • anfallende Kosten
  • Wofür stehen die Pfadfinder*innen bzw. Guides und Späher? (Werte, Ziele, Abgrenzung: was sind wir nicht – z.B. Werte, keine Kinderaufbewahrungseinrichtung...)
  • Wie arbeiten wir? (Methoden: z.B. Patrullenarbeit, Funktion der Outdoor-Arbeit und was das in der Praxis bedeutet...)
  • Berichte von Aktionen, Fotos, Videos (näheres siehe dazu Grünton: "Öffentlichkeitsarbeit - kommunizieren und sichtbar machen"Siehe auch Kapitel "Öffentlichkeitsarbeit - kommunizieren und sichtbar machen (GuSp)")
  • Möglichkeiten und Anreize für die Mitwirkung im Trupp der Guides und Späher beziehungsweise in der Gruppe
  • über alles weitere, was ihre Neugier bezüglich der Pfadfinder*innen befriedigt

Einige Themen fallen, auf den Ersten Blick vielleicht, in die Kategorie „Darüber reden wir lieber nicht“. Dabei ist es gerade bei diesen wichtig, dass du sie mit Eltern offen besprichst. Dass die Kinder auf einer zweitägigen Wanderung eine gewisse Zeit in der Patrulle unterwegs sind, ohne dass Leiterinnen unmittelbar für sie sichtbar sind und wie dabei die Aufsicht der Leiterinnen aussieht, kann eines dieser Themen sein, aber auch etwa wie Spiritualität in der Heimstunde behandelt wird, die Pubertät und das Zusammenleben von Mädchen und Burschen am Lager und die geplanten Maßnahmen für Unfallvorbeugung.

Bei all diesen und anderen Themen, die vielleicht schwieriger sind, gilt: Warte nicht auf die Fragen der Eltern, sondern schneide die Themen selbst an, präsentiere klar eure Konzepte und Standpunkte und gehe offen auf eventuelle Fragen und Diskussionen ein! Wenn du gut vorbereitet bist, ist die Chance groß, als verantwortungsvoll angesehen zu werden.

Umgekehrt solltest du als Leiter*in auch verschiedene Informationen von den Eltern sammeln:

  • Kennenlernen, Kontaktinformationen
  • Hintergrundinformationen über das soziale Umfeld der Kinder, Entwicklung der Kinder, körperliche Defizite der Kinder
  • Einverständniserklärungen (Eltern unterschreiben Veranstaltungsanmeldungen, Beitrittserklärungen, Teilnahme an Wanderungen, Verwendung von Fotos und Videos, ...)
  • Motivation (Eltern haben Einfluss darauf, ob die Kinder in die Heimstunde kommen und bei Aktionen mitmachen)
  • Unterstützung wo möglich und erwünscht (Materialtransport und Kuchen backen, Mithilfe auf Gruppenebene oder im Elternrat, Heimwartung, ...)

Tipps für die Praxis[Bearbeiten]

  • Klare Präsentation – kurze, klare Formulierung von Ausschreibungen, aber auch an Informationsabenden – Eltern nicht mit Infos und Reizen überfrachten
  • Gestalte Elternveranstaltungen methodisch (Hirn, Herz, Hand), so bleibt mehr von deiner Präsentation hängen. Du kannst so im gleichen Zug die Stufenmethode präsentieren, indem etwa die Eltern so wie die Kinder in Patrullen arbeiten. Oder lass einmal die Kinder etwas beim Elternabend präsentieren
  • Informationen und Ausschreibungen rechtzeitig und vollständig (wann, wo, Kosten, Treffpunkt, Rückkehr ...) ausgeben, nur dann können Familien Veranstaltungen auch in ihre Terminplanung einbeziehen
  • Auch wenn dir manche Eltern nicht so sympathisch sind, suche das Gespräch mit allen Eltern!
  • Mitarbeit in Schritten – sprich die Eltern dazu in kleinen, wohl überlegten Schritten an! Finde heraus, was Eltern besonders gut können oder was sie arbeiten und versuche sie auf diesem Weg für eine Mitarbeit zu gewinnen
  • Regelmäßigen Kontakt zu Mitarbeiterinnen halten: Einbindung ins Gruppenleben, (sanfte Form von) Mitarbeiterinnenvereinbarung, Dank und Anerkennung

Grafik: PPÖ/GuSp Arbeitskreis

Kommunikation mit Eltern im Krisenfall[Bearbeiten]

Ein gut gepflegtes Leiterinnen-Eltern-Verhältnis hilft auch im Krisenfall. Für dich als Leiterin ist es wichtig zu wissen, wie der Kommunikationsfluss in der Gruppe bei Krisenfällen aussieht, und wer dir in solchen Fällen zur Seite stehen kann. Hier solltest du dich mit deiner Gruppenleitung in Verbindung setzen. Diese Liste funktioniert als Checkliste Kommunikation mit Eltern im Ernstfall:

  • Eltern bei Unfall verständigen (Tag und Zeitpunkt notieren)
  • auf ordentliche medizinische Versorgung des Kindes hinweisen; auch auf gute Erste Hilfe-Maßnahmen
  • Eltern darauf ansprechen, wenn das Kind sich weisungswidrig verhalten hat (lieber früher als später)
  • höflich und ruhig bleiben
  • Tatsachen klarlegen; nicht auf Hörensagen eingehen, oder dieses verstärken
  • berechtigte Beschwerden der Eltern ernst nehmen
  • für Eltern unbefriedigenden Zustand bereinigen
  • Gespräch mit Eltern mehrerer Kinder führen
  • einen Problemfall gemeinsam darstellen
  • aktiv zuhören
  • Eltern ausreden lassen, auch wenn sie eine andere Sicht der Dinge haben und nach deren Schilderung die eigene Sichtweise kundtun
  • eigene Fehler zugeben; Verbesserung zusagen (und herbeiführen)
  • positives Erlebnis der Kinder verständlich machen
  • Hinweis auf Elternvertreter*innen in der Gruppe (Elternrat)
  • eigenen klaren Standpunkt darlegen


Der pädagogische Hintergrund[Bearbeiten]

Wozu ist Elternarbeit gut?[Bearbeiten]

Es ist wichtig, die Kinder des eigenen Trupps bestens zu kennen. Hier kann eine gute Gesprächsbasis mit den Eltern helfen, die Bedürfnisse, Defizite oder auch zusätzliche Chancen bei den Kindern und Jugendlichen zu erkennen. Je besser die Beziehung zu den Eltern ist, umso eher lassen sich auch Missverständnisse, die eventuell nach Heimstunden oder Lagern entstehen, vermeiden beziehungsweise leichter aufklären. Du als Leiter*in fungierst in deiner Funktion auch als Vermittler*in zwischen den Eltern. So kann ein gutes Verständnis über Wohnort, berufliche Situation oder Ähnlichem dabei helfen, dass Eltern sich untereinander zum Beispiel für Fahrgemeinschaften vernetzen können und sich gegenseitig unterstützen können.

Mit unserer Pfadfinder*innen-Arbeit wollen wir einen Beitrag zur Erziehung der Kinder leisten. Das zu thematisieren und mit der Erziehung durch die Eltern in Relation zu setzen, schafft Verständnis für unsere Ziele und Methoden. Mehr Infos dazu im Grünton: "Die GuSp- Stufe im Überblick"Siehe auch Kapitel "Die GuSp- Stufe im Überblick (GuSp)" .

Aber nicht nur die Kinder können zu den Pfadfinderinnen dazustoßen. Eltern sind eine sehr wichtige Ressource für die Pfadfinderinnen-Arbeit. So kann eine gute Beziehung zu den Eltern eine gewisse Bindung zur Gruppe schaffen und dadurch eventuell auch das Interesse für konkrete Arbeiten in der Gruppe selbst. Angefangen vom Elternrat bis hin zu kleineren Arbeiten, wie zum Beispiel der Transport von Rucksäcken, können die Eltern dazugewonnen werden.

Weiterführendes[Bearbeiten]

GOLD - Das Handbuch für Gruppenleiter*innen:
Kapitel „Risiko- und Krisenmanagement“Siehe auch Kapitel "GOLD-Risiko- und Krisenmanagement"

Grüntöne:
"Die GuSp- Stufe im Überblick"Siehe auch Kapitel "Die GuSp- Stufe im Überblick (GuSp)"
"Öffentlichkeitsarbeit - kommunizieren und sichtbar machen"Siehe auch Kapitel "Öffentlichkeitsarbeit - kommunizieren und sichtbar machen (GuSp)"

PPÖ-Homepage/Krisenmanagement:
Krisenmanagement auf Pfadfinderlagern


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Elternarbeit ist ein essenzieller BestandtElternarbeit ist ein essenzieller Bestandteil unserer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Ein gutes Verhältnis zwischen dir als Leiter*in und den Eltern schafft die Grundvoraussetzung, dass die Kinder zu den Heimstunden und Lagern kommen dürfen und die gute Zusammenarbeit mit den Eltern an sich.ute Zusammenarbeit mit den Eltern an sich. +
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elternarbeit +, Kommunizieren +, zusammenarbeit +  und kommunikation +
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