Zeremonien der Biberstufe
Zeremonien und Rituale der Biberstufe
Gerade für Kinder im Biberalter stellen Zeremonien und Rituale Orientierungspunkte dar, an denen sie Abläufe erkennen können. Dafür sind die Beständigkeit und Regelmäßigkeit der Zeremonien und Rituale wichtig. Zeremonien und Rituale können Sicherheit geben und verbinden, sie können die Gemeinschaft und das Gefühl der Zusammengehörigkeit stärken, der Biber erlebt sich als Teil der Kolonie.
Über Zeremonien, Rituale und Traditionen, die du mit deinen Bibern gestaltest, können auch unsere Werte als Pfadfinder*innen vermittelt werden und sind in der Pfadfinder*innenmethode im Symbolischen RahmenSiehe auch Kapitel "Symbolischer Rahmen" eingebunden
Zeremonien, Rituale und Traditionen – was ist da der Unterschied?[Bearbeiten]
Zeremonien[Bearbeiten]
Eine Zeremonie folgt einem festgelegten Ablauf zu einem konkreten Anlass bzw. in einer konkreten Situation. Für diese benötigst du eine gewisse Vorbereitung und schaffst einen feierlichen Rahmen mit Symbolcharakter. In einer Zeremonie finden sich oft Rituale wieder. Bei den Bibern sind das beispielsweise die Versprechenszeremonie oder die Überstellungszeremonie.
Rituale[Bearbeiten]
Ein Ritual ist wie eine kleine, alltäglichere Variante der Zeremonie. Es bedarf keiner Vorbereitung, dauert oft nur kurz und kann spontan durchgeführt werden. Bei den Bibern sind die häufigsten Rituale Kommt ans Ufer, Baut einen Damm, das Biberlied zu Beginn der Heimstunde oder ein Ruf am Ende der Heimstunde.
Traditionen[Bearbeiten]
Eine Tradition ist die Art und Weise, wie in deiner Gruppe Zeremonien und Rituale ablaufen. Bei dem Beispiel der Versprechensfeier könnte es in deiner Gruppe Tradition sein, dass sich zu diesem Anlass die gesamte Gruppe versammelt oder dass die erste Nacht mit dem Halstuch geschlafen wird. Traditionen bleiben häufig über Jahre und Jahrzehnte bestehen, daher ist es notwendig, diese regelmäßig kritisch zu betrachten und sie gegebenenfalls weiterzuentwickeln.
Verschiedene Rituale der Biber[Bearbeiten]
Hier findest du Möglichkeiten, wie du Rituale in deinen Heimstunden konkret umsetzen kannst. Diese sind als Vorschläge gedacht, die du nach den Bedürfnissen deiner Biber und deiner Gruppe anpassen und variieren kannst.
Kommt ans Ufer[Bearbeiten]
Bei diesem Ruf möchtest du die Biber zu dir rufen, beispielsweise nach einem Spiel. Du rufst gut hörbar „Kommt ans Ufer“ und deine Biber kommen zu dir/euch gelaufen und bilden zwei parallele Reihen (= Ufer). Die Biber blicken ihr Gegenüber dabei an und reichen sich innerhalb der Reihe die Hände. Die Reihen stehen so weit voneinander entfernt, dass eine Person hindurchgehen („hindurchschwimmen“) kann. Als Leiter*in kannst du entweder Teil der Reihen sein oder an einem Ende stehen.
Bildet einen Damm[Bearbeiten]
Dieser Zuruf kann nach Kommt ans Ufer erfolgen. Die Biber bilden einen Kreis, indem sich die Enden der Reihen annähern und sich die Biber die Hände geben. Dieser Kreis symbolisiert den Biberdamm. Als Leiter*in bist du nun entweder Teil des Damms oder stehst in der Mitte des Kreises.
Eröffnungsritual[Bearbeiten]
Als Eröffnungsritual kannst du beispielsweise zu Beginn einer Heimstunde die Biber mit Kommt ans Ufer und Bildet den Damm zusammenrufen und in einen Kreis kommen lassen. Gemeinsam singt ihr die ersten drei Strophen des BiberliedesSiehe auch Kapitel "Biberlied"
Abschlussritual[Bearbeiten]
Zum Ende einer Heimstunde rufst du beispielsweise die Biber mit Kommt ans Ufer und Bildet den Damm zusammen und in einen Kreis. Gemeinsam singt ihr die letzte Strophe des BiberliedesSiehe auch Kapitel "Biberlied" und/oder ruft einen BiberrufSiehe auch Kapitel "Biberruf".
Der Biberschwanzschlag[Bearbeiten]
Dieses Ritual ist als aktivierender Übergang zwischen Programmpunkten gedacht.
Dafür steht ihr bereits im Kreis und du streckst die Arme seitwärts aus. Dann senkst du die Arme langsam ab und dabei hocken sich alle Biber hin und heben die Hand zum Bibergruß.
Wenn alle Biber sich in dieser hockenden Position befinden, fragst du:
„Wer seid ihr?"
Die Biber antworten so laut sie können:
Im Anschluss sagen alle gemeinsam “ooooooOOOOOO” und werden dabei immer lauter. Wenn sie am lautesten sind, springen die Biber auf und machen den Biberschwanzschlag (mit Händen hinter dem Rücken einmal klatschen). Dies soll das Geräusch wiedergeben, wenn der Biber mit seinem Schwanz auf das Wasser schlägt.
Biberbau[Bearbeiten]
Soll es zwischen den Programmpunkten ein wenig ruhiger werden, kannst du es mit diesem Ritual versuchen.
Wieder beginnt ihr im Kreis und du rufst: „Biberbau!“, und daraufhin setzen sich die Biber langsam auf den Boden. Dabei imitieren sie Schlafgeräusche „Sch, sch, sch, sch,…“ – bis alle Biber sitzen. Du klatschst dann einmal in deine Hände. Wenn die Biber dieses Signal hören, beenden sie ihre „sch“ Laute.
Verschiedene Zeremonien der Biber[Bearbeiten]
Hier findest du Möglichkeiten, wie du Zeremonien in deinen Heimstunden konkret umsetzen kannst. Diese sind ebenfalls als Vorschläge zum Anpassen gedacht.
Versprechenszeremonie[Bearbeiten]
Die Versprechenszeremonie ist vermutlich die erste Zeremonie, die ein Kind in seiner Pfadfinder*innen-Zeit erlebt. Das ist ganz schön aufregend, erst recht für 5-jährige Kinder. Nimm dir mit deinem Biberteam die Zeit, ihnen in den Heimstunden davor den Ablauf zu erklären, ein Probedurchlauf der Zeremonie kann auch nicht schaden, gerade wenn alle noch etwas ungeübter darin sind.
Häufig gibt es zu den Versprechenszeremonien auch Gruppentraditionen, wie zum Beispiel einem bestimmten Termin etc.
Einbindung der Eltern[Bearbeiten]
Überlege dir im Vorhinein mit deinem Biberteam, ob und in welcher Weise ihr die Eltern oder Bezugspersonen einbinden wollt. Bei Bibern gibt es hier Vor- und Nachteile, die du auf deine Biber und Gruppe abwägen kannst, was für euch stimmiger ist und besser passt.
Vorteile: Bei 5-jährigen Kindern bieten die Eltern bzw. Bezugspersonen eine große moralische und emotionale Unterstützung in diesen aufregenden Momenten. Für Kinder im Biberalter sind ihre Eltern bzw. Bezugspersonen sehr wichtig und auch die ersten Personen, denen das Halstuch stolz präsentiert wird. Die gleichaltrige Peergroup ist in diesem Moment nicht so wichtig wie bei älteren Kindern und Jugendlichen. Abgesehen davon werden so die Eltern bzw. Bezugspersonen mehr in die Gruppe eingebunden.
Nachteile: Umso größer die Biberkolonie, umso größer und damit unruhiger und potentiell überfordernder für die Biber wird der Personenkreis, der die Bedeutsamkeit dieses Moments vielleicht nicht ganz nachvollziehen kann. Wenn viele Eltern und Bezugspersonen dabei sind, wird es ein weniger pfadi-interner Moment, in dem der Fokus mehr auf dem eigenen Kind liegt als auf der Gemeinschaft. Auch umgekehrt können die Biber mehr auf ihre eigenen Bezugspersonen fokussiert sein als auf das Gruppenerlebnis.
Hier findest du eine Möglichkeit der Versprechenszeremonie mit den Eltern und eine ohne, die du gerne für euch passend verändern kannst.
Ablauf mit Eltern/Bezugspersonen
Bevor die Zeremonie nun beginnt, wird ein Damm gebildet und du erklärst den Anwesenden die Bedeutung des Versprechens und des Halstuchs, gemeinsam mit einem Rückblick, was ihr in den Heimstunden davor dazu gemacht habt. Die Biber, die das Versprechen ablegen, werden zu dir in den Kreis gerufen.
Die Eltern/Bezugspersonen werden hinzu gebeten und stellen sich hinter ihr Kind.
Du forderst die ganze Biberkolonie auf, die Hände zum Bibergruß zu heben. Dann sprechen die Biber gemeinsam das Versprechen und das Gesetz der BiberSiehe auch Kapitel "Gesetz und Versprechen der Biber". Manche Gruppen machen aus dem Gesetz auch einen Ruf oder ein Lied – du kannst hier gerne kreativ werden.
Danach verleihst du den nun fleißigen Bibern mit Hilfe der anderen Leiter*innen das Halstuch. Den fleißigen Bibern wird zuerst durch die Leiter*innen mit dem Reichen der linken Hand (Pfadi-Gruß) gratuliert. Im Anschluss gratulieren die Eltern ihren Kindern. Die Eltern kehren auf ihre Plätze außerhalb des Kreises zurück. Die neuen fleißigen Biber gehen im Kreis und schütteln die Hände der anderen Biber.
Sollte die Versprechenszeremonie nur für einen Biber stattfinden oder deine Bibergruppe eher klein ist, kannst du die ganze Biberkolonie zur Unterstützung dazu holen und ihr sprecht gemeinsam das Versprechen Siehe auch Kapitel "Gesetz und Versprechen der Biber".
Ablauf ohne Eltern/Bezugspersonen
Bevor die Zeremonie beginnt, wird ein Damm gebildet und du erinnerst die Biber in einem Rückblick daran, was ihr in den Heimstunden davor zum Versprechen gemacht habt. Dann rufst du die Biber, die das Versprechen ablegen, in den Kreis zu dir.
Du forderst die ganze Biberkolonie auf, die Hände zum Bibergruß zu heben. Dann sprechen die Biber gemeinsam das Versprechen und das Gesetz der BiberSiehe auch Kapitel "Gesetz und Versprechen der Biber" – wieder kannst du es hier als Ruf oder Lied verändern. Im Anschluss verleihst du den nun fleißigen Bibern mit Hilfe der anderen Leiter*innen das Halstuch. Den fleißigen Bibern wird zuerst von den Leiter*innen mit dem Pfadi-Gruß gratuliert, danach können die fleißigen Biber eine Runde im Kreis gehen und die Hände der gesamten Biberkolonie schütteln.
Überstellungszeremonie[Bearbeiten]
Die Überstellung ist die letzte Zeremonie der Biberzeit, sie ist die Verabschiedung aus der Biberkolonie und stellt den Übergang zu den WiWö dar. Die Eltern bzw. Bezugspersonen der Biber können zur Zeremonie eingeladen werden. Hier spielen ähnliche Überlegungen wie bei dem Versprechen eine Rolle, ebenso wie Gruppentraditionen.
Ablauf[Bearbeiten]
Hier geht es darum, einen Weg für die Biber zu gestalten. Wenn ihr eine kleine Biberkolonie seid, könnt ihr ihn zum Beispiel mit einem Schwungtuch darstellen oder aus Tischen einen Tunnel bauen.
Die Zeremonie beginnt mit einer Uferformation, in der die Biber in zwei Reihen gegenüber stehen. An einem Ende dieses „Flusses“ stehst du mit deinem Biberteam, am anderen Ende steht die WiWö-Leitung mit den WiWö.
Wenn die Eltern dabei sind, können sie sich außerhalb dazustellen.
Du stehst an einem Ende des “Flusses” und rufst die Namen der Biber auf, die überstellt werden. Wenn der Name eines Bibers gerufen wird, stellt sich dieser zu dir, mit dem Gesicht zu dir gewandt. Du lässt in wenigen Sätzen ihre Biberzeit Revue passieren und hebst eure gemeinsamen Erlebnisse und Abenteuer hervor.
Im Anschluss wünschst du den Bibern eine schöne Zeit bei den WiWö und die Biber verabschieden sich von euch Biberleiter*innen. Sie gehen oder laufen (möglicherweise in Begleitung von KeeoSiehe auch Kapitel "Basiswissen für neue Biberleiter*innen") durch die Uferformation auf die WiWö-Leitung und die WiWö zu, die in einem Kreis hinter der WiWö-Leitung stehen.
Die WiWö-Leitung begrüßt sie und stellt sich vor. Gemeinsam gehen sie zu den anderen WiWö, wo sie willkommen geheißen werden.